„Lasset uns (tot)beten!“

Der November ist die Zeit der Hubertusmessen und –jagden. Jäger und Förster holen sich den Segen und Schutz eines katholischen oder evangelischen Pfarrers, welcher wiederum einen Schutzpatron, genannt Heiliger Hubertus, für die Segnung bemüht; letzterer (der Pfarrer) wohl, damit der Kirchenbeamte nicht selbst die Verantwortung für sein Gepredigtes übernehmen muss. Nach den Gebeten heißt es dann, so Gott will: Feuer frei aus allen Rohren!

Das Segnen von Waffen und deren Trägern scheint Vertretern der christlichen Kirche, wie in der Vergangenheit so auch heute, immer noch sehr wichtig und gerechtfertigt zu sein. Wie hätte die Kirche sonst auch ihre Geschichte überlebt? Bibelauszüge oder Überlieferungen aus der christlichen Welt werden dazu solange (um)interpretiert, bis sie passen und man seine subjektive Sicht damit rechtfertigen kann. Und der Förster hat Grund, die gute Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche zu loben. Hilft es ihm und seinem Ansehen vor der Öffentlichkeit doch (vermeintlich), wenn ein Geistlicher sein Schießeisen und die Ballermänner seiner Gleichgesinnten schönredet. Ja, auch der Staatsbetrieb Sachsenforst scheint auf den Segen dieser Kirche viel Wert zu legen, geht man von einem kürzlich erschienenen Artikel über die Hubertusjagd im Forstbezirk Taura des Staatsbetriebes in der Torgauer Zeitung aus.
Der stellv. Chefredakteur Frank Lehmann schreibt darin u.a.:

Erfreut zeigte er (Jan Glock/ Leiter des Forstbezirkes Taura und, hier, Jagdleiter) sich auch über die große öffentliche Resonanz, die die Jagd fand. „Dies ist für uns ein Beweis, dass Jagd und Jäger in ihrer Funktion akzeptiert werden. Wir setzen auch deshalb auf Öffentlichkeit“

Selbst nach 20 Jahren Pressefreiheit (auch in Torgau) werden solche beschönigenden Verallgemeinerungen eines Lobbyisten von diesem Redakteur noch simpel Eins zu Eins übernommen.
Nimmt man allein an, dass ein Teil der ca. 100 angereisten Jäger Familienmitglieder mitbrachte, dürften schon diese für einige „öffentliche Resonanz“ gesorgt haben. Darüber hinaus kenne ich aus der oben genannten Region genügend Personen, die Ihrem Beweis (!?) nicht standhalten würden, Herr Glock! Und die sich auch nicht bekehren lassen würden, Herr Pfarrer Ulrich Schade (Katholischen Kirche Sankt Franziskus Xaverius in Eilenburg)!

Ein paar Zitate aus dem Alten und Neuen Testament:

Das Buch Genesis, Kapitel 9
2 Furcht und Schrecken vor euch soll sich auf alle Tiere der Erde legen, auf alle Vögel des Himmels, auf alles, was sich auf der Erde regt, und auf alle Fische des Meeres; euch sind sie übergeben.
3 Alles Lebendige, das sich regt, soll euch zur Nahrung dienen. Alles übergebe ich euch wie die grünen Pflanzen.
http://alt.bibelwerk.de/bibel/at/mos1009.htm

Korinther
25 Alles, was feil ist auf dem Fleischmarkt, das esset, und forschet nicht, auf daß ihr das Gewissen verschonet.
http://www.bibel-online.net/buch/46.1-korinther/10.html#10,25

Siehe auch hier: http://www.sankt-hubertus.de/

Nun ja. Ich kann mir schon gut vorstellen, warum die Forstbehörde sich lieber mit diesem Teil der Kirche gut stellen will als mit einem anderen:

Zum Thema Jagd – Hubertusmessen findet man neuerdings auch solche Stellungnahmen (etwas scrollen):
http://www.aktion-kirche-und-tiere.de/cms/front_content.php?idcat=1&idart=303

Für beide Teile der Kirche gilt doch aber gleichermaßen:
Mit irgendwelchen Hirschen, die plötzlich Kruzifixe am Kopf tragen, muss man im 21. Jahrhundert ja wohl nicht wirklich rechnen. Oder?

Seit dem Mittelalter wird die Hubertus-Legende erzählt, nach der er auf der Jagd von einem prächtigen Hirsch mit einem Kruzifix zwischen dem Geweih bekehrt wurde, deshalb wird Hubertus als Schutzpatron der Jagd angesehen. Außerdem ist er Patron der Natur und Umwelt, der Schützen und Schützenbruderschaften, der Kürschner, Metzger, der Metallbearbeiter, Büchsenmacher, Optiker und Hersteller von mathematischen Geräten. Am Hubertustag, dem 3. November finden alljährlich große Hubertusjagden, oft mit dem Feiern von Hubertusmessen, statt.

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